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CMD-Newsticker – für Sie gelesen

 

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Aktuelle Meldungen aus der Fachliteratur

Kraniofaziale Schmerzen bei präpubertären Kindern weit verbreitet

Kinder im vorpubertären Alter zeigen häufig Anzeichen für orofaziale Schmerzen, Kopfschmerz, morgendlichen Kopfschmerz und schmerzhafte Symptome einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) – das ergaben aktuelle Untersuchungen aus Finnland. Folgende Parameter wurden bei 439 Probanden im Alter von sechs bis acht Jahren näher beleuchtet:

Kraniofaziale Schmerzen, Mahlzeiten und Snacks, Schlafbruxismus, Schlafqualität, schlafbezogene Atmungsstörungen, psychische Gesundheit, Bildungsstand der Eltern und das jeweilige Haushaltseinkommen.

26 Prozent der untersuchten Kinder waren von Schmerzen im Gesichtsbereich betroffen, 31 Prozent hatten in den letzten drei Monaten Kopfschmerzen, 17 Prozent litten wöchentlich an morgendlichem Kopfschmerz und 13 Prozent zeigten schmerzhafte CMD-Symptome. Die weitere Auswertung der Untersuchungen ergab folgende Zusammenhänge:

  • das Risiko für orofaziale Schmerzen steigt mit einem unruhigen Schlaf an,
  • schmerzhafte CMD-Symptome und ein unruhiger Schlaf hängen vermutlich mit einem erhöhten Risiko für Kopfschmerzen zusammen,
  • mit einem unruhigen Schlaf, Schlafbruxismus und ausgelassenen Mahlzeiten steigt das Risiko für morgendliche Kopfschmerzen,
  • das Auftreten von Kopfschmerz zeigte sich mit einem höheren Risiko für schmerzhafte CMD-Anzeichen assoziiert.

Fazit: Kraniofaziale Schmerzen sind bei präpubertären Kindern keine Seltenheit.
Vor allem Schlafbruxismus, ein unruhiger Schlaf sowie ausgelassene Mahlzeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, solche Schmerzen zu entwickeln.

Vierola A et al. Determinants for craniofacial pains in children 6-8 years of age: the PANIC study. Acta Odontol Scand 2017; 75(6):453-460.
http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00016357.2017.1339908

Suizidgedanken, Depressionen, Ängste – vor allem CMD-Patienten mit chronischen Muskelschmerzen sind betroffen

Die Erkenntnisse dieser Studie mit über 1000 Probanden lassen den Bedarf eines Screenings bei CMD-Patienten mit chronischen Schmerzen auf Suizidgedanken und andere Begleiterkrankungen deutlich werden. Von Suizidgedanken, Depressionen und Ängsten sind Menschen mit CMD-bedingten chronischen Muskelschmerzen im Vergleich zu jenen mit chronischen Gelenkschmerzen oder solchen mit chronischen Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden (Mischgruppe) stärker betroffen. Im Rahmen der Studie wurden 1241 Betroffene je nach Ausprägung in 3 Gruppen aufgeteilt: Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und eine Mischgruppe aus beidem. Die Probanden waren im Durchschnitt 35,76 ± 12,6 Jahre alt und 88,3 % weiblichen Geschlechts. 8,4 % von ihnen quälten Suizidgedanken, 28,5 % fühlten sich hoffnungslos im Hinblick auf ihre Zukunft, 20,5 % dachten häufig an den Tod und das Sterben, 30,4 % litten an Depressionen sowie 28,9 % an Angststörungen. In der Gruppe der Probanden mit Muskelschmerzen traten die Suizidgedanken am häufigsten auf. Diese Menschen waren auch anfälliger für Depressionen und Ängste im Vergleich zu den Patienten mit Gelenkschmerzen und denen aus der gemischten Schmerzgruppe. (1) Eine andere Studie mit 112 Probanden aus den Niederlanden berichtet, dass das vermehrte Auftreten von Depressionen bei CMD-Patienten vor allem mit einem erhöhten Schmerzlevel einhergeht. Im Fokus standen hier die Komorbiditäten: Depression, Somatisierung, Beeinträchtigung des Schlafs und Nackenschmerzen. (2)

(1)    Bertoli E et al. PrevalenceofSuicidal Ideation, Depression, andAnxiety in ChronicTemporomandibularDisorderPatients. J orofacialPainandHeadache 2016; 30(4): 296-301.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27792796
(2)    Visscher CM et al. Istheexperienceofpain in patientswithtemporomandibulardisorderassociatedwiththepresenceofcomorbidity? Eur J Oral Sci 2016; 124(5):459-464
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/eos.12295/abstract

CMD bei Profi- und Hochleistungssportlern häufig, Freizeitkampfsportler und Sportmuffel liegen gleich auf

Gesichtstraumata bei Sportlern können häufig mit späteren CMD-Beschwerden in Verbindung gebracht werden. Dabei sind Hochleistungssportler aufgrund des intensiveren und länger andauernden Trainings zwei bis fünf Mal öfter von traumatischen Verletzungen betroffen als Breitensportler. Die Studie betrachtet professionelle Karatesportler im Vergleich zur Amateuren, die Karate praktizieren, Hochleistungskampfsportlern und Menschen, die keinen Sport trieben:

Gruppe 1: Karate-Profisportler (n=24),
Gruppe 2: Karate-Amateure (n=17),
Gruppe 3: Hochleistungssportler „gemischte Kampfkünste“ (n=13) und
Gruppe 4: Sportmuffel (n=28).

Die Prävalenz einer CMD lag Profi- und Hochleistungssportlern mit 54,2 % bzw. 61,5 % deutlich höher als in der Vergleichsgruppe der Nicht-Athleten (14,3 %). Die Beobachtungen zeigten eine ähnlich niedrige CMD-Prävalenz bei den Karate-Amateuren (Gruppe 2) undMenschen, die keinen Sport trieben (Gruppe 4).  Über Gelenkschmerzen aufgrund einer Diskusverschiebung klagten Probanden aus der Gruppe 1 (45,8 %) und Gruppe 3 (38,5%) deutlich häufiger im Vergleich zur Gruppe 4 (7,1%). Traten chronische cmd-bedingte Schmerzen auf, wurde sie als weniger intensiv und einschränkend beschrieben.

Bonotto D et al. Professional karate‐do andmixedmartialartsfighterspresentwith a high prevalenceoftemporomandibulardisorders. Dent Traumatol 2016; 32(4):281-285.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26511663

Kniearthrose und CMD-Symptome

Patienten mit einer Kniearthrose gelten als anfällig für Gelenkserkrankungen. Einer Studie aus China zufolge bilden sich bei ihnen insbesondere häufiger CMD-Symptome wie eine eingeschränkte Kieferbewegung oder eine gestörte Kiefergelenksfunktion aus. 200 Patienten mit Kniearthrose sowie 150 gesunde Vergleichsprobanden nahmen an der Studie teil. Man verglich die Verbreitung spezifischer Symptome und Anzeichen einer craniomandibulären Dysfunktion bei Probanden mit leichter und schwerer Kniearthrose mit der Prävalenz in der Kontrollgruppe. 63,6 % (n=77) der Patienten mit leichter Kniearthrose berichteten von einer eingeschränkten Kieferbewegung/öffnung, fast ebenso viele waren es prozentual bei den Probanden mit fortgeschrittener Krankheit (62,4 %, n=117). Die Vergleichsgruppe lag mit 34,7 % (n=144) deutlich darunter. 54,7 % der Betroffenen mit fortgeschrittener Kniearthrose klagten zudem über eine gestörte Kiefergelenksfunktion – in der Kontrollgruppe lag der Wert bei 39,6 %. Bei der Betrachtung weiterer CMD-Symptome konnten die Wissenschaftler keinen Unterschied zwischen den Studiengruppen feststellen.

Zhang X et al. Symptoms andsignsoftemporomandibulardisorders in patientswithkneeosteoarthritis. Int Dent J 2016; online am 1. November.
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/idj.12262/abstract

Auf Gelenkentzündungen diätisch positiv einwirken

Mit Hilfe der richtigen Ernährung können entzündliche Prozesse im Körper positiv beeinflusst werden – das belegen vermehrt aktuelle Forschungen. Eine Studie aus Polen berichtet beispielsweise von Osteoarthritis-Patienten mit Gelenkschmerzen und eingeschränkter Gelenkfunktion, bei denen die Basis der Krankheit – die Entzündung – durch einen gezielten Konsum von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in Kombination mit einer pharmakologischen Behandlung deutlich eingedämmt werden konnte. Die Probanden berichteten von einer Verbesserung der Symptome, weshalb derArzneimittelkonsum heruntergefahren werden konnte. Man geht davon aus, dass damit auch unerwünschte Nebenwirkungen seltener auftraten. Die positive Wirkung führen die Wissenschaftler auf ein Hemmen von katabolischen Vorgängenund ein Stimulieren von anabolischen Prozessen im Knorpel des Gelenks zurück. Diese Studie bestätigt, was laut Angaben der Wissenschaftler inzwischen bereits öfter belegt wurde, dass vor allem die Omega-3-Fettsäuren ein großes Potenzial haben, ein Fortschreiten der Gelenkentzündung abzuschwächen und einem Knorpelabbau, der mit chronischen Entzündungen im Gelenk einhergeht, vorzubeugen. (1)

Auch andere Patienten mit einer entzündlichen Arthritis profitierten im Rahmen einer finnischen Studie von der Umstellung ihrer Ernährung. Sie ließen auf Anraten der Forscher jegliche tierische Milch, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer sowie zugesetzten Zucker und Hefe weg. Stattdessen erhielten die Probanden eine Supplementierung mit Multivitaminen, Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren und Curcuminoiden sowie eine Mischung von Probiotika. Zu Beginn der Studie nahmen 72 Probanden eine konventionelle Medikation ein, 64 davon antirheumatische Mittel. Die Dauer der Erkrankung lag im Schnitt bereits bei 6,9 Jahren. Nach der Ernährungsmodifizierung berichteten 77 Probanden von einer Reduzierung der konventionellen Medikamente und einer Verbesserung der allgemeinen Gesundheit. 66 Studienteilnehmer beobachteten moderate bis signifikante Verbesserungen ihrer Gelenkbeschwerden.

(1)    Dzielska-Olczak M et al. Antiinflammatorytherapy in ostheoarthritisincludingomega 3 andomega 6 fattyacids. Pol Merkur Lekarski 2012; 32(191):329-34.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22779342
(2)    Mäkelä R et al. DietaryTherapy in PatientsWithInflammatory Arthritis.Altern Ther Health Med 2017;23(1):34-39.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28160762

Myofaziale Schmerzen – LLLT kann helfen
Wissenschaftliche Untersuchungen aus der Türkei berichten von Erfolgen in der Therapie myofazialer Schmerzen mit Hilfe der Low-Level-Laser-Therapie (LLLT), die auch als Softlasertherapie oder Biostimulation bekannt ist. Etliche Mediziner und Zahnmediziner setzen die als nebenwirkungsfrei geltende sanfte Behandlungsmethode nicht nur in der Schmerztherapie unterstützend ein, sondern auch in den Bereichen Wundheilung und Entzündungsmanagement. Die Laserstimulation scheint auf Prozesse innerhalb der bestrahlten Zellen zu wirken (Stoffwechsel- und regenerative Prozesse, Blutzirkulation und Energiehaushalt).
In dieser Studie lagen die Erfolge der LLLT-Therapie mit denen der Schienentherapie gleich auf. Das hier angewendete Lasergerät arbeitete mit einem Leistungsspektrum von 1064 nm, 8 J/cm2 sowie 250mW. Die Schmerzintensität konnte im Vergleich zur Kontrollgruppe (Placebo) deutlich reduziert werden. Die Probanden mit Schienentherapie wurden zu Studienbeginn angehalten, die verordnete okklusale Schiene über einen Zeitraum von drei Wochen täglich zwölf Stunden zu tragen. Die LLL-Therapie wurde zehn Tage lang täglich einmal mit Hilfe eines Lasers an sog. Triggerpunkten vorgenommen.

Demirkol N et al. Effectiveness of occlusal splints and low-level laser therapy on myofascial pain.Lasers Med Sci 2015;30(3):1007-1012.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24504660

Patienten mit Juveniler Idiopathischer Arthritis mit Beteiligung des Kiefergelenks oftmals unter- oder übertherapiert
Trotz ihrer hohen Spezifität scheinen standardmäßige klinische Untersuchungen allein nicht sensibel genug zu sein, um eine Kiefergelenkarthritis bei Patienten mit Juveniler Idiopathischer Arthritis (JIA) stets sicher zu diagnostizieren. Eine Arthritis des Kiefergelenks wird auch als oligoarthritisch oder als asymptomatisch bezeichnet und tritt meist bei Kindern mit JIA auf. Wissenschaftler an der Universität in Kiel machten die Erfahrung, dass viele Fälle unter- oder überbehandelt werden. Sie fanden heraus, dass der Einsatz von Gadolinium die Bildgebung von Magnetresonanz-Aufnahmen verbessern und damit die sichere Diagnosestellung erleichtern kann.

Im Rahmen dieser Studie unterzog man 134 JIA-Patienten einer routinemäßigen klinischen Untersuchung (Testung der Empfindlichkeit der Muskeln am und um das Kiefergelenk, Bestimmung von Gelenkgeräuschen und Kapazität der Mundöffnung) und unterstützte das zum Einsatz kommende bildgebende Verfahren (Magnetresonanz)mit Hilfe von Gadolinium. Als Kontrollprobanden fungierten 134 gesunde Individuen. Bei der MRI-Untersuchung lag der Fokus auf der Erkennung von Entzündungsanzeichen (Synovitis/Hypertrophie).
Im Untersuchungsergebnis zeichneten sich keine Unterschiede hinsichtlich der Mundöffnungskapazitäten zwischen Test- und Kontrollprobanden ab. 80 Prozent der JIA-Patienten zeigten mit Hilfe der Gadolinium-gestützten MR-Technik Anzeichen einer Kiefergelenksbeteiligung, mit positiver Korrelation von konkreten klinischen Screening-Inhalten und den MR-Ergebnissen. In Kombination stieg die Sensitivität der Untersuchung.
Die Erkenntnisse versprechen eine höhere Treffsicherheit bei der Diagnosestellung als bisher – häufig vorkommende Unter- und Überbehandlungen aufgrund von falsch-negativen und falsch-positiven Untersuchungsergebnissen könnten so vermieden werden.

Bernd Koos et al. Reliability of Clinical Symptoms in Diagnosing Temporomandibular Joint Arthritis in Juvenile Idiopathic Arthritis. J Rheumatol 2014, 41(9):1871-1877.
http://www.jrheum.org/content/41/9/1871.abstract?sid=01ada010-411d-4f61-b10e-2f9892724dfb

Schlafbruxismus: Aufbissschiene in Kombination mit gezielter Kaumuskel-Massage reduziert den Schmerz und steigert die Lebensqualität von Betroffenen
Aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge konnte die Lebensqualität von Betroffenen mit Schlafbruxismus durch eine Schienentherapie verbessert werden, vor allem in den Bereichen allgemeine Gesundheit, physikalische Funktion, Vitalität und in Bezug auf die Rolle der mentalen und emotionalen Gesundheit der Probanden.
Eine Kombination von Schienentherapie und gezielter Massage der Kaumuskulatur führte darüber hinaus zu einer Reduzierung der Schmerzen, so die Beobachtungen im Rahmen einer doppelblinden, randomisierten und kontrollierten klinischen Studie mit 78 Probanden im Alter von 18 bis 40 Jahren.

Gomes CA et al. Effects of Massage Therapy and Occlusal Splint Usage on Quality of Life and Pain in Individuals with Sleep Bruxism: A Randomized Controlled Trial. J Jpn Phys Ther Assoc. 2015; 18(1):1-6.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26733760

Beeinträchtigung der Lebensqualität von CMD-Patienten ist wie das Krankheitsbild selbst: multidimensional
CMD-Patienten sind in ihrer Lebensqualität mitunter sehr eingeschränkt. Wie vielfältig diese Einschränkungen sind, erörterte jüngst eine Studie aus Israel mit 187 CMD-Patienten und 200 Kontrollprobanden. Die Einschätzung erfolgte mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens zum Einfluss der Mundgesundheit auf die Lebensqualität (Oral Health Impact Profile-14). Abgefragt wurden neben Persönlichem auch der Tabakkonsum, frühereTraumata und kieferorthopädische Behandlungen, komorbide Kopfschmerzen, Oral Habits und Schmerzen.

Je nach Art der Beschwerden ließen sich die CMD-Patienten klassifizieren:

  • Störung der Kiefermuskulatur (KM, n = 38)
  • isolierte Störungen des Kiefergelenks (KG, n = 46)
  • Patienten mit KM und KG (KMG, n = 103).

Im Ergebnis fühlten sich die CMD-Patienten in dieser Studie im Gegensatz zu den Kontrollprobanden vor allem durch physische und psychische Beeinträchtigungen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Die Gruppe der KMG-Patienten litt vorrangig unter physischen Schmerzen. Im Speziellen zeigte die Auswertung der Fragebögen, dass die Minderung der Lebensqualität dieser Patienten ein multidimensionales Phänomen ist, das in einen Zusammenhang mit früheren kieferorthopädischen Maßnahmen, komorbiden Kopfschmerzen und Körperschmerzen, Einschränkungen der Kieferöffnung und der lateralen Bewegungen, Schmerzen und einer erhöhten Empfindlichkeit der Muskeln gebracht werden kann.

Almoznino G et al. Oral Health-Related Quality of Life in Patients with Temporomandibular Disorders. J Oral Facial Pain Headache 2015; 29(3):231-41.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26244431

Früherkennung: Oral Habits können mit einer CMD-Erkrankung verknüpft sein
Sogenannte „Oral Habits“ sind gesundheitsschädigende Angewohnheiten, zu denen beispielsweise das Lippenbeißen gehört.Wissenschaftler aus Indien fanden heraus, dass diese Angewohnheiten mit Anzeichen und Symptomen einer CMD-Erkrankung assoziiert sein können. Eine wichtige Erkenntnis, wenn es um die Früherkennung dieses komplexen Krankheitsbildes geht.

61 Studienteilnehmerberichteten im Rahmen einer Befragung von keinerlei Symptomen oder Anzeichen einer CMD-Erkrankung, bei 34 Probanden gab es Hinweise auf wenigstens einen möglichen Verknüpfungspunkt, bei 108 weiteren auf mindestens drei. Am häufigsten traten Kopf-, Nacken- und Zahnschmerzen auf (46,2 %). Statistisch signifikant zeigte sich die Verbindung zwischen dem Geschlecht und drei CMD-Anzeichen/Symptomen. Die Wissenschaftler konnten einen deutlichen Zusammenhang zwischen Nägelkauen, Lippenbeißen/Objekt kauen und Abschleifen der Zähne und Anzeichen/Symptomen einer craniomandibulären Dysfunktion beobachten. Nägelkauen (45,8 %) und Lippenbeißen oder auf Gegenständen kauen (37 %) wurden dabei von den Probanden am häufigsten genannt.

Motghare V et al. Association Between Harmful Oral Habits and Sign and Symptoms of Temporomandibular Joint Disorders Among Adolescents. J ClinDiagn Res 2015; 9(8):ZC45-48.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26436046

Entspannungstechniken versus Schienentherapie
Sind Patienten mitCMD-assoziierten myofaszialen Schmerzen besser beim gezielten Entspannungstraining aufgehoben oder ist eine Therapie mit speziellen Aufbissschienen die bessere Wahl, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen? Eine Versuchsreihe mit 64 Studienteilnehmern im Alter von 12 bis 19 Jahren, die mindestens ein Mal pro Woche unter CMD-assoziierten myofaszialen Schmerzen litten, lieferte eindeutige Ergebnisse. In der ersten Studienphase erhielten die Probanden entweder eine Schienentherapie oder ein geführtes Entspannungstraining. Wenn die Therapie nicht ansprach, hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, in der zweiten Phase in die andere Gruppe zu wechseln. Persönliche Einschätzungen und klinische Untersuchungen erfolgten vor und nach den Behandlungen in jeder Phase sowie sechs Monate nach der letzten Behandlungsphase.

Nach dem ersten Studienteil berichteten 62,1 Prozent der Probanden von einer erfolgreichen Schienentherapie, beilediglich 17,9 Prozentzeigte sich das Entspannungstraining wirkungsvoll.Ähnliche Ergebnisse erhielten die Wissenschaftler nach der zweiten Studienphase. Zwei Drittel der Teilnehmer der beiden Phasen berichteten bei der Befragung nach sechs Monaten von einer Verbesserung.

DieGesamtauswertung der Studie bestätigteder Schienentherapie im Vergleich zum Entspannungstraining eine höhere Effektivitätbei der Linderung CMD-assoziierter Schmerzen.

Wahlund K et al. Treating temporomandibular disorders in adolescents: a randomized, controlled, sequential comparison of relaxation training and occlusal appliance therapy. J Oral Facial Pain Headache 2015; 29(1):41-50.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25635959

Die Psyche bei CMD-Patienten gerät mitunter aus dem Gleichgewicht

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover fanden heraus, dass eine CMD-Erkrankung für nicht wenige Patienten auch mit einer Einschränkung des emotionalen Wohlbefindens bis hin zur Depression verbunden sein kann. Im Rahmen einer aktuellen Studie wurden 92 CMD-Patienten und 90 Kontroll-Probanden mit Hilfe von Fragebögen um die Einschätzung ihres subjektiven Schmerzempfindens, der Schwere ihrer chronischen Schmerzen, der Einschränkungen den Kiefer betreffend sowie ihres emotionalen Wohlbefindens und möglicher depressiver Symptome gebeten. Darüber hinaus wurden alle Probanden klinisch untersucht.

Die CMD-Patienten berichteten über eine größere Einschränkung der Kieferfunktion im Vergleich zu Personen aus der Kontrollgruppe, wobei bei den Studienteilnehmern mit einer Myoarthropathie die Einschränkungen geringfügig größer waren als bei denen mit einer Myopathie. 51 Prozent der hier untersuchten CMD-Patienten gaben an, sich emotional nicht gut zu fühlen, in der Kontrollgruppe war das nur bei 7,8 Prozent der Fall. Bei 16 Prozent der CMD-Patienten traten depressive Symptome auf, wobei die meisten Fälle im Bereich der Myopathie lagen. In der Kontrollgruppe konnte kein vergleichbarer Fall beobachtet werden.

Ismail F et. al. Identification of psychological comorbidity in TMD-patients. Cranio 2015; online am 2. April,
http://www.maneyonline.com/doi/ abs/10.1179/2151090315Y.0000000008

CMD und Migräne: Musculus pterygoideus lateralis bei betroffenen Patienten oft hypertrophiertc
Der Musculus pterygoideus lateralis nimmt eine wichtige Rolle bei der Kieferbewegung ein, deshalb wird er oft in Zusammenhang mit CMD-Erkrankungen betrachtet. Häufig leiden CMD-Patienten an Migräne. Eine Studie aus Brasilien untersuchte nun, ob dafür eine Muskelhyperaktivität verantwortlich sein könnte. 20 Patienten mit und 20 ohne Migräne wurden auf eine mögliche CMD-Erkrankung hin untersucht, mit besonderem Augenmerk auf das Volumen des Musculus pterygoideus lateralis.

Im Ergebnis zeigten 58,7 Prozent der Patienten mit Migräne und CMD eine Verdickung dieses Muskels. Außerdem beobachteten die brasilianischen Forscher in diesem Patientenfeld auch veränderte Kieferbewegungen (61,2 Prozent) und Diskusverlagerungen (70 Prozent) als häufig auftretende Symptome. Die Wissenschaftler dieser Studie empfehlen alternativ zur Palpation eine MRT-Untersuchung dieses Muskels bei Patienten mit Migräne und CMD, da die Hypertrophie nicht immer sicher durch eine Tastuntersuchung festzustellen war.

Lopes SL et al. Lateral pterygoid muscle volume and migraine in patients with temporomandibular disorders. Imaging Sci Dent 2015; 45(1):1-5,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25793177

CMD und Kieferhypermobilität
Eine groß angelegte retrospektive Studie aus Taiwan beschäftigte sich mit der Rolle der Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Gesichtstrauma und Psychose bei CMD (mit und ohne Kiefergelenkstörungen) und Kieferhypermobilität.
Von allen hier betrachteten CMD-Betroffenen wiesen lediglich 1,47 Prozent Störungen im Bereich des Kiefergelenks auf. 3,85 Prozent der Patienten mit Gelenkhypermobiliät litten gleichzeitig an einer CMD-Erkrankung – ein Zusammenhang konnte hier statistisch signifikant belegt werden.

Weiteren Auswertungen zufolge zeigten die Patienten mit Gelenkhypermobilität deutliche Unterschiede im Hinblick auf ihre Einordnung in CMD-Untergruppen, dabei wiesen lediglich 9,52 Prozent Störungen im Bereich des Discus artikularis auf. Für die Faktoren Geschlecht, Alter, Gelenkhypermobilität, Gesichtstrauma und Psychose konnte im Rahmen dieser Studie ein deutlicher Einfluss auf das Auftreten einer CMD-Erkrankung belegt werden. Darüber hinaus zeigte sich nicht nur die positive Korrelation von CMD und Gelenkhypermobilität, die taiwanesischen Wissenschaftler fanden auch heraus, dass bei CMD-Patienten mit Discus articularis-assoziierten Störungen des Kiefergelenks häufiger eine Gelenkhypermobiliät diagnostiziert werden kann, als bei Patienten mit einer Kiefergelenkstörung ohne Discusbeteiligung.

Chang TH et al. The association between temporomandibular disorders and joint hypermobility syndrome: a nationwide population-based study. Clin Oral Investig 2015, online am 17. Februar, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25687768