Kraniomandibuläre Dysfunktion bei Kindern mit Funktionsstörungen im zervikookzipitalen Übergang

Das Vorliegen eines Kreuz‑, Vor- oder Rückbisses, Zähneknirschen und -pressen, myofunktionelle Störungen, Abweichungen der Zungenruhelage, Lutschhabits, Kiefer- oder Kopfschmerzen, Haltungsstörungen und Migräne bei Kindern können bereits Prädiktoren einer juvenilen kraniomandibulären Dysfunktion (CMD) sein. Die Ursache liegt dabei meist in einem abweichenden frühkindlichen Aufrichtungsprozess. Funktionsstörungen im hochzervikalen Bereich können insbesondere die Entwicklung der Kieferstellung beeinflussen. Bereits in den ersten Lebensmonaten werden hier Weichen für die weitere Entwicklung gestellt – mit Auswirkungen auf den gesamten Körper, z. B. veränderte Statik oder nichtphysiologische Koordination. Die häufigsten posturalen Aufrichtungsdefizite in Verbindung mit einer muskulären CMD bei Kindern sind eine Kopfanteversion, Hyperlordose und ein Genu valgum sowie bei Mittenabweichungen eine Skoliose mit Schulterschrägstellung. Kinder profitieren therapeutisch v. a. von manualmedizinischen Therapien, einem (nachholenden) neurofunktionellen Aufrichtungstraining, Logopädiesitzungen und viel Bewegung.

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00337-018-0474-6

 


Physiotherapeutisches Training bringt für Patienten mit CMD-assoziierten lokalen und generalisierten Schmerzen nachweislich Linderung

Wissenschaftler aus Schweden untersuchten aktuell an der Universität Umeå, welchen Vorteil  Patienten mit lokal begrenzten CMD-Schmerzen und Probanden mit cmd-assoziierten generalisierten Schmerzen von einem begleiteten physiotherapeutischen Training haben. Weiterlesen »


Studie: 9,3 Prozent der untersuchten CMD-Patienten wiesen auch eine Dysphagie auf

Bei CMD-Betroffenen kann aufgrund von Schmerzen und Funktionsstörungen auch eine orale Dysphagie auftreten. Die systematische Auswertung von 20 vergleichbaren Studien am Trinity College in Dublin ergab, dass 9,3 Prozent der Studienteilnehmer mit CMD ebenfalls von Schluckstörungen berichteten. Auch andere Symptome einer oralen Dysphagie wie Schmerzen beim Kauen (87,4 %) und Müdigkeit (62 %) wurden hier vermehrt dokumentiert. Weiterlesen »


Antientzündliche Ernährung im Alter von Vorteil

Eine aktuelle Studie untersuchte das entzündliche Potenzial von Ernährungsgewohnheiten in Bezug auf erfolgreiches Altern anhand einer Bevölkerungsgruppe aus dem Mittelmeerraum.

Von 2005 bis 2016 betrachtete man die Ernährungsgewohnheiten von 3128 Erwachsenen im Alter von 65 bis 100 Jahren aus Griechenland. Um gut vergleichbare Angaben zu erhalten, verwendete man einen Index für erfolgreiches Altern, bestehend aus zehn Aspekten. Die Probanden beantworteten einen Fragebogen und ein individueller NAI-Wert (Nutrition Anti-inflammatory Score) gemäß der Ernährungsgewohnheiten wurde im Hinblick auf die spätere Analyse vergeben. Weiterlesen »


Zusammenhänge belegt: Morphologie und CMD

Forschungen aus Dänemark bestätigen einen Zusammenhang zwischen Symptomen und Anzeichen von Kiefergelenkserkrankungen (Craniomandibuläre Dysfunktion) und der Morphologie des Gesichtsschädels und der Kopfhaltung.

Insgesamt wurden 96 Kinder (7 bis 13 Jahre) mit kieferorthopädischem Bedarf und entsprechenden Beschwerden untersucht. Dabei wurden die Symptome und CMD-Anzeichen (Kopf- und Gesichtsschmerzen, Kieferklicken, Kieferbeweglichkeit, Empfindlichkeit von Muskeln und Gelenken) mit Hilfe von Variablen bewertet und der Helkimo´s Clinical Dysfunction Index bestimmt. Laterale zephalometrische Röntgenaufnahmen lieferten Daten zu den craniofazialen Dimensionen und der Kopf- und Halshaltung der Probanden. Zusätzlich erfolgten Tests zur Bisskraft.

Die Forscher beobachteten eine Verbindung der Kiefergelenksdysfunktion mit einer ausgeprägten Vorwärtsneigung der oberen Halswirbelsäule und einer erhöhten craniozervikalen Angulation – auch wenn im Endeffekt keine gesicherte Schlussfolgerung auf eine bestimmte craniofaziale Morphologie bei diesen Kindern gezogen werden konnte. Darüber hinaus wurde eine erhöhte Empfindlichkeit der Muskeln mit der Morphologie eines „langen Gesichts“ und einer geringeren Bisskraft in Zusammenhang gebracht. Kopfschmerzen zeigten sich mit einem längeren Oberkiefer und einem maxillären Prognathismus assoziiert. Ein hoher Wert nach dem Helkimo Index wurde in Beziehung mit niedrigen Werten einer Anzahl von vertikalen, horizontalen und transversalen linearen craniofazialen Dimensionen und einer geringen Bisskraft gebracht.

Meist lagen die beobachteten Zusammenhänge jedoch im niedrigen bis moderaten Bereich, so dass sie vermutlich kaum einen direkten klinischen Vorhersagewert besitzen. Dennoch scheinen mögliche ätiologische Faktoren hier von Bedeutung zu sein und können zu einem besseren Verständnis zum Auftreten von Symptomen und Anzeichen einer CMD bei KFO-Patienten beitragen, so die Forscher. [1]

Auch andere Wissenschaftler befassten sich mit dem Thema Morphologie und CMD und kamen zu interessanten Erkenntnissen. So prüfte eine kleine Studie aus Italien den Zusammenhang zwischen fazialen Asymmetrien und der Entwicklung von Craniomandibulären Dysfunktionen und Kiefergelenkserkrankungen.

Näher betrachtet wurden dabei Asymmetrien struktureller Art (81 %) sowie funktionelle Asymmetrien (19 %). Die Probanden stellten sich zur Studienbeginn mit Skelett- und Zahnfehlstellungen in Kombination mit verschiedenen Kiefergelenkserkrankungen vor, die meist auf muskuläre Verspannungen zurückzuführen waren. Alle Patienten erhielten eine kieferorthopädische oder chirurgisch-orthodontische Behandlung, um ihre Kiefergelenksbeschwerden in den Griff zu bekommen.

Der Vergleich der Vorher-Nachher-Situation der Probanden zeigte eine Auflösung der mandibulären Asymmetrien und die vollständige Eliminierung der Kiefergelenksymptome und CMD-Beschwerden. Daher wurde hier geschlussfolgert, dass Asymmetrien des Unterkiefers als ätiologische und prädisponierende Faktoren bei der Entstehung von Craniomandibulären Dysfunktionen eine Rolle spielen. [2]

Eine Studie aus Südafrika beschäftigte sich ebenfalls mit der Morphologie von myogenen CMD-Patienten. Bei ihnen bestanden im Vergleich zu Kontrollprobanden deutliche Asymmetrien der Kondylenhöhe; auch der „Temporomandibular Opening Index“ lag hier höher. Zudem konnte eine signifikant positive Korrelation der beiden Aspekte für die Gruppe der CMD-Patienten im Rahmen dieser Untersuchung belegt werden. [3]

Mit der Beschaffenheit des Kiefergelenks und dem Auftreten von Craniomandibulären Dysfunktionen beschäftigte sich eine Studie an der Universität Shiraz im Iran. Man entdeckte dort, dass die Neigung der Gelenkpfanne bei den untersuchten CMD-Patienten steiler verlief und die Fossa glenoidalis breiter und tiefer war als bei den Kontrollprobanden.

Diese Informationen könnten nach Meinung der Wissenschaftler Aufschluss über die Beziehung zwischen der Morphologie des Kiefergelenks und der Häufigkeit des Auftretens von CMD-Erkrankungen geben und in der Zukunft dafür genutzt werden, die Krankheitsentwicklung früh zu erkennen oder vorherzusagen und ggf. geeignete Präventionsmaßnahmen einzuleiten. [4]

[1] Sonnesen L et al. Temporomandibular disorders in relation to craniofacial dimensions, head posture and bite force in children selected for orthodontic treatment. Eur J Orthod 2001; 23(2):179-92. Link zum vollständigen Beitrag: https://www.researchgate.net/publication/11940199_Temporomandibular_disorders_in_relation_to_craniofacial_dimensions_head_posture_and_bite_force_in_children_selected_for_orthodontic_treatment

[2] D’Ippolito S et al. Correlations between mandibular asymmetries and temporomandibular disorders (TMD). Int Orthod 2014; 12(2):222-38.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24820702

[3] Karic VV et al. The temporomandibular opening index and condylar asymmetry in myogenous TMD and non-TMD patients: report of a pilot study. Quintessence Int 2013;44(1):e141-5.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23573535

[4] Paknahad M et al. Is Mandibular Fossa Morphology and Articular Eminence Inclination Associated with Temporomandibular Dysfunction? J Dent (Shiraz) 2016;17(2):134-41.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27284559


CMD und Kieferhypermobilität

Eine groß angelegte retrospektive Studie aus Taiwan beschäftigte sich mit der Rolle der Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Gesichtstrauma und Psychose bei CMD (mit und ohne Kiefergelenkstörungen) und Kieferhypermobilität. Weiterlesen »


CMD und Migräne: Musculus pterygoideus lateralis bei betroffenen Patienten oft hypertrophiertc

Der Musculus pterygoideus lateralis nimmt eine wichtige Rolle bei der Kieferbewegung ein, deshalb wird er oft in Zusammenhang mit CMD-Erkrankungen betrachtet. Häufig leiden CMD-Patienten an Migräne. Eine Studie aus Brasilien untersuchte nun, ob dafür eine Muskelhyperaktivität verantwortlich sein könnte. 20 Patienten mit und 20 ohne Migräne wurden auf eine mögliche CMD-Erkrankung hin untersucht, mit besonderem Augenmerk auf das Volumen des Musculus pterygoideus lateralis. Weiterlesen »


Die Psyche bei CMD-Patienten gerät mitunter aus dem Gleichgewicht

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover fanden heraus, dass eine CMD-Erkrankung für nicht wenige Patienten auch mit einer Einschränkung des emotionalen Wohlbefindens bis hin zur Depression verbunden sein kann. Im Rahmen einer aktuellen Studie wurden 92 CMD-Patienten und 90 Kontroll-Probanden mit Hilfe von Fragebögen um die Einschätzung ihres subjektiven Schmerzempfindens, der Schwere ihrer chronischen Schmerzen, der Einschränkungen den Kiefer betreffend sowie ihres emotionalen Wohlbefindens und möglicher depressiver Symptome gebeten. Darüber hinaus wurden alle Probanden klinisch untersucht. Weiterlesen »


Entspannungstechniken versus Schienentherapie

Sind Patienten mitCMD-assoziierten myofaszialen Schmerzen besser beim gezielten Entspannungstraining aufgehoben oder ist eine Therapie mit speziellen Aufbissschienen die bessere Wahl, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen? Eine Versuchsreihe mit 64 Studienteilnehmern im Alter von 12 bis 19 Jahren, die mindestens ein Mal pro Woche unter CMD-assoziierten myofaszialen Schmerzen litten, lieferte eindeutige Ergebnisse. In der ersten Studienphase erhielten die Probanden entweder eine Schienentherapie oder ein geführtes Entspannungstraining. Weiterlesen »


Früherkennung: Oral Habits können mit einer CMD-Erkrankung verknüpft sein

Sogenannte „Oral Habits“ sind gesundheitsschädigende Angewohnheiten, zu denen beispielsweise das Lippenbeißen gehört.Wissenschaftler aus Indien fanden heraus, dass diese Angewohnheiten mit Anzeichen und Symptomen einer CMD-Erkrankung assoziiert sein können. Eine wichtige Erkenntnis, wenn es um die Früherkennung dieses komplexen Krankheitsbildes geht. Weiterlesen »